“Cinema serves as a constant reminder to us of who we are and what we are made of.”
- Demian Bichir
Love Me Tender
Die Liebe einer Mutter gilt als eines der stärksten und bedingungslosesten Gefühle auf dieser Welt. Doch was, wenn diese Liebe auf einmal durch gesellschaftliche Erwartungen, behördliche Strukturen und tief verankerte Vorurteile infrage gestellt wird? „Love Me Tender“ von Regisseurin Anna Cazenave Cambert nimmt genau diese Ausgangsfrage und entwickelt daraus ein eindringliches und zunehmend beklemmendes Drama, das sich vor allem in seinen stillen Momenten entfaltet.
American Sweatshop
Irgendwo zwischen Katzenvideos und Nachrichten hat das Internet gelernt, Gewalt und Sensationslust in eine Form von Unterhaltung zu verwandeln. Doch welche Verantwortung trägt man, wenn man genau solche Inhalte konsumiert und ab wann ist man nicht einfach mehr nur Zuschauer sondern moralisch verantwortlich? „American Sweatshop“ von Kamerafrau und Regisseurin Uta Briesewitz stellt genau diese Fragen und bringt eigentlich alles mit, um relevant zu sein und dennoch verpufft dieser Film seltsam kraftlos.
Rose
Vom Blockbuster zum Indie-Film: Trotz ihrer großen internationalen Projekte ist Sandra Hüller längst nicht aus der deutschen Filmlandschaft verschwunden. In Markus Schleinzers drittem Spielfilm „Rose“ verkörpert sie die Titelgebende Hauptrolle und beweist einmal mehr, wie facettenreich sie ist. Statt großer Gesten und glamouröser Kulissen setzt der Film auf Reduktion, innere Spannung und die Kraft einer Figur, die sich ihren Platz in einer feindseligen Welt erkämpfen muss.
Rosebush Pruning
Mit „Rosebush Pruning“ bringt der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz ein hypnotisch-verstörendes Werk über familiäre Abhängigkeiten, emotionale Verwahrlosung und die fragile Konstruktion von Identität innerhalb privilegierter Räume auf die Leinwand. Dabei entwickelt der Film eine eigentümliche Sogwirkung: kühl beobachtend, ästhetisch streng und von einer unterschwelligen Grausamkeit durchzogen, die sich langsam, aber unaufhaltsam entfaltet.
Arco
Wie spendet man in aktuellen Zeiten Trost und Hoffnung, ohne die sehr präsenten Krisen unserer Gegenwart zu leugnen? „Arco“, das animierte Spielfilmdebüt von Udo Bienvenu, wagt sich an genau diese Aufgabe und tut dies mit einer erstaunlichen formalen Klarheit und emotionalen Aufrichtigkeit. Statt sich für eine klare dystopische oder utopische Richtung zu entscheiden, bewegt sich der Film in einem Spannungsfeld dazwischen. Der Film erkennt die Brüche unserer Gegenwart an und sucht dennoch nach Bildern, die Hoffnung ermöglichen, ohne naiv zu wirken. Genau darin liegt seine besondere Relevanz.
Ready or Not 2
Es gibt Filme, die brauchen keine Fortsetzung. „Ready or Not“ aus 2019 war so einer: klar umrissen, düster und geschlossen. Eine Fortsetzung kann dann eigentlich nur überflüssig sein oder sie muss etwas radikal anderes wagen. Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett entschieden sich für einen Mittelweg, der zwar spaßig, aber wenig innovativ ist: Sie nehmen das bereits bestehende Konzept und seine Struktur und machen einfach alles größer, blutiger und makaberer. Das Ergebnis ist ein Film, der sich zwischen Selbstparodie und ernst gemeintem Horror bewegt, ohne sich je ganz für eine Seite zu entscheiden.
Das Drama - Noch mal auf Anfang
Kristoffer Borgli hat sich in den letzten Jahren als scharfer Beobachter moderner Selbstinszenierung etabliert, als ein Regisseur, der seine Figuren mit beinahe klinischer Kälte betrachtet und dabei konsequent ihre Schwächen offenlegt. Mit „Das Drama - Noch mal auf Anfang“ führt er diesen Ansatz weiter und treibt ihn zugleich in eine noch unbequemere, radikalere Richtung. Was zu Beginn wie eine leicht ironische Beziehungsgeschichte wirkt, kippt zunehmend in Beklemmung und entpuppt sich als Psychodrama über Liebe, Moral und die fragile Konstruktion von Identität.
Is This Thing On?
Früher haben Männer mit Midlife-Crisis sich Motorräder gekauft, heute machen sie Filme über andere Männer mit Midlife-Crisis. Bradley Cooper hat mal wieder Regie geführt und bringt seinen neuen Film „Is This Thing On?“ als selbstreflexives Drama mit Comedy-Elementen In die Kinos. Dabei wirkt das Projekt wie ein sehr persönlicher Film, der unbedingt etwas über das Älterwerden, verpasste Chancen und männliche Selbstzweifel sagen will. Der Film möchte gleichzeitig schonungslos ehrlich und charmant unterhaltsam sein – am Ende schafft er weder das eine noch das andere.
Der Astronaut - Project Hail Mary
Ist das der beste Science-Fiction Film seit „Interstellar”? Mit „Der Astronaut - Project Hail Mary“ wagen sich die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller an eine der faszinierendsten Science-Fiction-Adaptionen der letzten Jahre. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, dessen vorheriges Werk bereits als „Der Marsianer“ zum Kinohit wurde. Selten war Wissenschaft im Kino so spannend.
Nouvelle Vague
Quentin Tarantino hat diesen Film gleich zweimal im Kino geschaut… „Nouvelle Vague“ von Regisseur Richard Linklater ist eine cinephile Annäherung an einen historischen Moment, in dem sich das Kino grundlegend veränderte. Schon diese Anekdote passt perfekt zum Film selbst: Linklater richtet sich mit „Nouvelle Vague“ ganz bewusst an Menschen, die das Kino nicht nur konsumieren, sondern lieben, studieren und diskutieren. Der Film versteht sich weniger als Filmbiografie, sondern vielmehr als lebendiges Stimmungsbild einer Zeit, in der eine neue Generation begann, das Medium Film radikal neu zu denken.
The Bride!
„Here comes the mothef***ing Bride!“ Endlich wieder Female Rage. Dieses Motiv zieht sich wie ein elektrischer Strom durch die Filmgeschichte – von stummem Leiden hin zu explodierender Selbstermächtigung. Lange war weibliche Wut entweder pathologisiert oder romantisiert, selten jedoch als legitime, schöpferische Kraft begriffen worden. In „The Bride!“ katalysiert Regisseurin Maggie Gyllenhaal genau diese weibliche Wut in eine Figur, die historisch zum Schweigen verdammt war: Frankenstein’s Braut.
The Chronology of Water
Vom Twilight-Star zur radikalen Autorenfilmerin: Kristen Stewart hat sich in den vergangenen Jahren konsequent von ihrem Mainstream-Image gelöst und immer wieder künstlerische Risiken gesucht. Mit „The Chronology of Water“ geht sie nun noch einen Schritt weiter – weg vom Spiel vor der Kamera, hinein in die Regie – und liefert ein Spielfilm-Debüt, dass sich keinen Konventionen unterwirft.
Father Mother Sister Brother
Für die einen ist sie ein Segen, für die anderen eine unerträgliche Last: Die Familie. Jim Jarmusch, der Meister der lakonischen Melancholie, seziert in seinem neuesten Werk „Father Mother Sister Brother“ die leisen Bruchstellen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern. In drei lose verbundenen Episoden entfaltet sich ein intimes, teils humorvolles Drama über familiäre Nähe und Distanz. Bei den Filmfestspielen in Venedig gewann der Film 2025 den begehrten goldenen Löwen als bester Film.
Dead of Winter – Eisige Stille
Schießereien, Explosionen, Verfolgungsjagden – solche Motive sind es, die viele Thriller dominieren. Mit „Dead of Winter – Eisige Stille“ legt Regisseur Brian Kirk einen Survival-Thriller vor, der sich wohltuend gegen die Reizüberflutung des Genres stellt. Bekannt geworden durch seine Arbeit an Serien wie „Game of Thrones“, beweist Kirk hier ein feines Gespür für Reduktion, Atmosphäre und psychologische Spannung und erschafft einen Film, der nicht auf Dauerfeuer setzt, sondern auf Verdichtung.
Dust Bunny
Als Kind hatten wir wohl alle mal ein Monster unter dem Bett – nur hat das (hoffentlich) nicht unsere Eltern gefressen. „Dust Bunny“ greift genau diese all zu bekannte Furcht auf und verwandelt sie in ein düsteres, visuell betörendes Märchen für Erwachsene. Regie führt Bryan Fuller, der eigentlich für Serien wie „Hannibal“ bekannt ist und seine filmische Handschrift nun auf die große Leinwand überträgt. Was als „Monster unter dem Bett“-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als vielschichtige Parabel über Trauma und kindliche Wahrnehmung.
The Moment
Der „Brat Summer“ ist noch lange nicht vorbei – ganz zum Leid von Charli xcx. Was einst als ästhetische Provokation und selbstironisches Pop-Statement gefeiert wurde, ist inzwischen zum kulturellen Dauerzustand geworden. Neonfarben, Attitüde und Algorithmus-taugliche Coolness haben sich verselbstständigt. Doch wie entkommt man einem Image, das man selbst so erfolgreich erschaffen hat? Diesem Spannungsfeld widmet sich die Mockumentary „The Moment“ von Regisseur Aidan Zamiri.
No Other Choice
Es beginnt mit einer Kündigung und endet mit dem vollständigen Verlust von Menschlichkeit. In seinem neuen Film „No Other Choice“ erzählt Regisseur Park Chan-wook die Geschichte eines Mannes, der alles gegeben hat und dennoch alles verliert. Der südkoreanische Arbeitsmarkt wird zu einer Bühne, auf der Moral keinen Platz mehr hat: Wer nicht mehr gebraucht wird, verschwindet aus den Statistiken und oft auch aus dem sozialen Blickfeld.
Lesbian Space Princess
„Sie ist lesbisch. Sie ist im Weltraum. Und sie ist eine Prinzessin – oh und sie ist sehr traurig.“ Mit „Lesbian Space Princess“ katapultieren die australischen Regisseurinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ihr animiertes Debütwerk auf die große Leinwand. Was auf den ersten Blick wie eine exzentrische Sci-Fi-Komödie aussieht, entpuppt sich als mutiger und überraschend emotionaler Genre-Mix, der weit mehr zu bieten hat als nur alberne Gags und schrille Farben.