“Cinema serves as a constant reminder to us of who we are and what we are made of.”
- Demian Bichir
Father Mother Sister Brother
Für die einen ist sie ein Segen, für die anderen eine unerträgliche Last: Die Familie. Jim Jarmusch, der Meister der lakonischen Melancholie, seziert in seinem neuesten Werk „Father Mother Sister Brother“ die leisen Bruchstellen zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern. In drei lose verbundenen Episoden entfaltet sich ein intimes, teils humorvolles Drama über familiäre Nähe und Distanz. Bei den Filmfestspielen in Venedig gewann der Film 2025 den begehrten goldenen Löwen als bester Film.
Dead of Winter – Eisige Stille
Schießereien, Explosionen, Verfolgungsjagden – solche Motive sind es, die viele Thriller dominieren. Mit „Dead of Winter – Eisige Stille“ legt Regisseur Brian Kirk einen Survival-Thriller vor, der sich wohltuend gegen die Reizüberflutung des Genres stellt. Bekannt geworden durch seine Arbeit an Serien wie „Game of Thrones“, beweist Kirk hier ein feines Gespür für Reduktion, Atmosphäre und psychologische Spannung und erschafft einen Film, der nicht auf Dauerfeuer setzt, sondern auf Verdichtung.
Dust Bunny
Als Kind hatten wir wohl alle mal ein Monster unter dem Bett – nur hat das (hoffentlich) nicht unsere Eltern gefressen. „Dust Bunny“ greift genau diese all zu bekannte Furcht auf und verwandelt sie in ein düsteres, visuell betörendes Märchen für Erwachsene. Regie führt Bryan Fuller, der eigentlich für Serien wie „Hannibal“ bekannt ist und seine filmische Handschrift nun auf die große Leinwand überträgt. Was als „Monster unter dem Bett“-Geschichte beginnt, entpuppt sich schnell als vielschichtige Parabel über Trauma und kindliche Wahrnehmung.
The Moment
Der „Brat Summer“ ist noch lange nicht vorbei – ganz zum Leid von Charli xcx. Was einst als ästhetische Provokation und selbstironisches Pop-Statement gefeiert wurde, ist inzwischen zum kulturellen Dauerzustand geworden. Neonfarben, Attitüde und Algorithmus-taugliche Coolness haben sich verselbstständigt. Doch wie entkommt man einem Image, das man selbst so erfolgreich erschaffen hat? Diesem Spannungsfeld widmet sich die Mockumentary „The Moment“ von Regisseur Aidan Zamiri.
No Other Choice
Es beginnt mit einer Kündigung und endet mit dem vollständigen Verlust von Menschlichkeit. In seinem neuen Film „No Other Choice“ erzählt Regisseur Park Chan-wook die Geschichte eines Mannes, der alles gegeben hat und dennoch alles verliert. Der südkoreanische Arbeitsmarkt wird zu einer Bühne, auf der Moral keinen Platz mehr hat: Wer nicht mehr gebraucht wird, verschwindet aus den Statistiken und oft auch aus dem sozialen Blickfeld.
Lesbian Space Princess
„Sie ist lesbisch. Sie ist im Weltraum. Und sie ist eine Prinzessin – oh und sie ist sehr traurig.“ Mit „Lesbian Space Princess“ katapultieren die australischen Regisseurinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ihr animiertes Debütwerk auf die große Leinwand. Was auf den ersten Blick wie eine exzentrische Sci-Fi-Komödie aussieht, entpuppt sich als mutiger und überraschend emotionaler Genre-Mix, der weit mehr zu bieten hat als nur alberne Gags und schrille Farben.
Die drei ??? - Toteninsel
Die Verfilmungen der „Drei ???“ haben in den letzten Jahren bewiesen, dass deutscher Kinder- und Jugendfilm durchaus atmosphärisch und hochwertig sein kann. Spätestens „Die drei ??? – Karpatenhund“ setzte im vergangenen Jahr eine überraschend hohe Messlatte – visuell wie erzählerisch. Insbesondere die Inszenierung und die sichtbare Detailverliebtheit zur Vorlage heben die Reihe von vielen anderen Adaptionen ab. Umso größer war die Spannung, ob Regisseur Tim Dünschede mit „Die drei ??? – Toteninsel“ an diesen Erfolg anschließen kann.
Hamnet
Für viele gilt er als der größte Dramatiker seiner Zeit, doch sein Leben bleibt häufig hinter seinem Werk verborgen: William Shakespeare. Mit ihrem neuen Film „Hamnet“ wagt Chloé Zhao einen eindringlichen Blick hinter den Mythos Shakespeare. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maggie O’Farrell, den Zhao gemeinsam mit der Autorin für die Leinwand adaptierte, betritt der Film das Innenleben einer Familie, die durch einen der universellsten und zugleich schmerzhaftesten Prozesse geht, den ein Mensch erleben kann: den Verlust eines Kindes.
28 Years Later: The Bone Temple
Mit „28 Years Later: The Bone Temple“ setzt sich das Franchise fort, das Anfang der 2000er das Zombie-Genre neu definierte. Regie führt diesmal nicht Danny Boyle, sondern Nia DaCosta und sie wagt dabei einen mutigen Schritt: weniger Endzeit-Action, mehr Abstieg in moralische, religiöse und psychologische Abgründe. Das Ergebnis ist ein verstörender, stellenweise schwer verdaulicher, aber faszinierender Film, der sein Publikum nicht schont.
Ein einfacher Unfall
Mit dem Gewinn der Goldenen Palme in Cannes rückte „Ein einfacher Unfall“ vom iranischen Regisseur Jafar Panahi schlagartig in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Der Film widmet sich gesellschaftlicher Gewalt und äußert Kritik am iranischen Regime. Er untersucht die Fragilität persönlicher Erinnerungen und die Frage, wie Vertrauen in einem Klima der Unsicherheit überhaupt entstehen kann.
Sorry, Baby
Mit „Sorry, Baby“ liefert Eva Victor ihr Regiedebüt und wählt dafür einen bemerkenswert reduzierten Ansatz. Anstatt große Thesen oder laute Bilder zu formulieren, vertraut Victor auf Beobachtung, auf Rhythmus und auf die Wirkung subtiler Gesten. Mit einem feinen Gefühl für Erzählung und Ton ist ihr Film ruhig in seiner Form, präzise in seiner Inszenierung und geprägt von dem Vertrauen, dass das Ungesagte oft mehr erzählt als jede explizite Dramatisierung.
Wake Up Dead Man
Benoit Blanc ist zurück – mit neuem Fall und neuer Frisur. Mit „Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“ setzt Regisseur Rian Johnson die beliebte Netflix-Krimi-Reihe fort und schlägt im Gegensatz zu den beiden Vorgängern eine etwas andere Tonalität an. Der Film öffnet ein neues Kapitel für die Reihe, indem er die vertraute Mischung aus Eleganz, Witz und Stilbewusstsein beibehält, sie jedoch um eine unerwartet ernste Grundstimmung erweitert.
Five Nights at Freddy’s 2
Es gibt kaum eine Videospiel-Reihe, über die so viele Theorien und Mysterien existieren, wie über diese: Five Nights at Freddy’s. Das Franchise zählt inzwischen 10 Spiele in der Hauptreihe, sowie zahlreiche Spin-Offs, Bücher und seit 2023 auch einen Film. Nun kommt die Fortsetzung „Five Nights at Freddy’s 2“ in die Kinos. Regie führt erneut Emma Tammi und für das Drehbuch verantwortlich ist wieder Scott Cawthon, der Schöpfer der Spiele.
Rückkehr nach Ithaka
Wer sich die Wartezeit auf Christopher Nolans „The Odyssee“ ein wenige verkürzen möchte, hat jetzt mit „Rückkehr nach Ithaka“ (Originaltitel: „The Return“) von Umberto Pasolini die perfekte Gelegenheit dazu. In seiner radikal entschlackten Neuinterpretation des Mythos beleuchtet der Regisseur das Leben von Odysseus nach seiner langen Heimreise und macht daraus weniger ein pompöses Epos als ein düsteres, fast kammerspielhaftes Drama über Trauma, Schuld und die Schwierigkeit, nach Krieg und Verlust heimzukehren.
Welcome Home Baby
Regisseur Andreas Prochaska, der in der Vergangenheit vor allem mit kraftvollen Genrefilmen und Thrillern im deutschsprachigen Raum aufgefallen ist, versucht sich mit „Welcome Home Baby“ an einem psychologischen Horrorstück, das ländliche Mythen, familiäre Traumata und weibliche Körperlichkeit miteinander verwebt. Prochaska interessiert sich dabei weniger für den unmittelbaren Schock, sondern für das stetige Kriechen des Unheimlichen, das sich in die alltäglichen Abläufe schleicht wie ein Schatten aus der Vergangenheit.
Anemone
Mit „Anemone“ liefert Ronan Day-Lewis nicht nur sein Spielfilm-Debüt, sondern auch das große Comeback seines Vaters Daniel Day-Lewis. Die Zusammenarbeit der beiden weckt naturgemäß Interesse, nicht zuletzt weil sie unterschiedliche Generationen und künstlerische Zugänge vereint. Der Film ist ein melancholisches Familiendrama, das sich entfaltet wie ein Echo und mehr darüber erzählt, was unausgesprochen bleibt, als über das, was gesagt wird.
Keeper
Nachdem er bereits im letzten Jahr mit „Longlegs“ und zu Beginn diesen Jahres mit „The Monkey“ bewies, was er im Horror-Genre drauf hat, liefert Regisseur Osgood Perkins nun einen weiteren Film, der unter die Haut geht. „Keeper“ ist weniger Schreckensspektakel als ein psychologisch aufgeladenes Beziehungsdrama, das sich schleichend in einen fiebrig-übernatürlichen Albtraum verwandelt.
Wicked: For Good
Ein Jahr nachdem der erste „Wicked“-Film zum popkulturellen Phänomen wurde, Social-Media-Hype auslöste, Charts stürmte und das Musical einem neuen Publikum öffnete, kehrt Regisseur John M. Chu jetzt mit „Wicked: For Good“ zurück und versucht, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Der Film sucht nach Größe, nach politischer Resonanz und nach einer neuen Perspektive auf Figuren, die längst zu Ikonen geworden sind.