Freakier Friday

„Hast du die Hausaufgaben gemacht? Kann ich die bei dir abschreiben? Ich änder auch ein bisschen was ab, das fällt gar nicht auf.“ So oder so ähnlich muss wohl die Stoffentwicklung von „Freakier Friday“, dem Sequel zur ikonischen Diney-Komödie „Freaky Friday“ aus 2003, ausgesehen haben. Nach mehr als zwei Jahrzehnten kehrt der altbekannte Cast auf die Große Leinwand zurück – mit neuem Look, neuen Konflikten und doppeltem Körpertausch-Wahnsinn. Doch wenn sich ein Film so sehr darauf verlässt, dass Nostalgie allein ausreicht, um ein Publikum von damals und heute gleichermaßen zu begeistern, kann auch der Kultstatus nichts mehr retten.

Die Geschichte ereignet sich 22 Jahre nach dem ersten Körpertausch von Anna (Lindsay Lohan) und Tess Coleman (Jamie Lee Curtis). Anna, mittlerweile selbst Mutter einer rebellischen Teenager-Tochter namens Harper (Julia Butters), verlobt sich mit dem britischen Küchenchef Eric (Manny Jacinto). Mit dessen Tochter Lily (Sophia Hammons) versteht sich Harper so gar nicht und die beiden wollen die Hochzeit verhindern. In diesem familiären Chaos kommt es nun erneut zum Körpertausch – diesmal zwischen gleich 4 Personen. Während Anna unfreiwillig den Körper mit Harper tauscht, wachen auch Tess und Lily im Körper der jeweils anderen auf und müssen es nun schaffen, ihre Differenzen vor Anna und Erics bevorstehender Hochzeit zu beseitigen.

© 2024 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

In den besten Momenten erinnert „Freakier Friday“ daran, warum das Original so gut funktioniert hat: Das Zusammenspiel von Lohan und Curtis ist nach wie vor ein Highlight. Ihre gemeinsame Leinwandzeit sprüht vor Energie, und man merkt beiden Darstellerinnen an, wie viel Spaß sie am erneuten Rollenwechsel haben. Die Neuzugänge im Ensemble bleiben dagegen blass. Julia Butters, obwohl sichtlich bemüht, wirkt als Harper oft überzogen zickig, was eine echte Identifikation erschwert. Sophia Hammons als Lily bleibt als „perfekte Tochter mit bröckelnder Fassade“ flach und setzt wenig neue Akzente.

Technisch wirkt der Film überraschend schlicht. Die Kameraarbeit ist funktional, aber uninspiriert. Auch das Color-Grading wirkt an vielen Stellen farblos und hat keinen eigenen Charakter. Mehrfach fühlt man sich eher in einem Streaming-Original oder einem Werbespot als in einer Kino-Produktion. Das fällt besonders im Kontrast zu den dynamisch inszenierten Momenten des Originals auf, dessen visuelle Handschrift deutlich markanter war. Auch die musikalische Untermalung bleibt generisch – Radiopop statt erinnerungswürdiger Songs, die sich mit den Figuren verbinden. Zwar bemüht sich der Soundtrack, die jugendliche Zielgruppe anzusprechen, doch bleibt kaum etwas im Ohr.

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Was „Freakier Friday“ letztlich fehlt, ist der Mut zur Weiterentwicklung. Die Geschichte bietet zwar neue Figuren und eine modernere Familienkonstellation – Patchwork, Fernbeziehungen, Generationenmissverständnisse – aber all das wird eher angedeutet als wirklich durchdacht erzählt. Der Film schadet sich selbst, indem er sich voll und ganz auf die Handlungsstruktur seines Vorgängers verlässt: Familienchaos, Körpertausch zwei Tage vor der Hochzeit, drohendes Beziehungsaus und, und, und… Das Sequel bleibt im sicheren Fahrwasser und anstatt neue Themen ernsthaft zu behandeln, dominieren vorhersehbare Wendungen, oberflächliche Gags und ein klischeehaft sauber aufgelöstes Happy End. Die Konflikte, die durch den Körpertausch entstehen, werden meist durch ein kurzes Gespräch oder eine plötzliche Einsicht gelöst – ein dramaturgischer Schnellwaschgang.

Der Film will unterhalten – und das gelingt ihm – aber er traut sich selten, auch zu fordern. Was bleibt, ist ein Sequel, dass von seinem Vorgänger und der damit verbundenen Nostalgie lebt, aber es nicht schafft, sich in eine eigene Richtung zu entwickeln. Wer den ersten Film liebt, wird hier einige charmante Momente finden – doch wirklich „freakier“, überraschender oder gar besser als das Original ist dieser Film absolut nicht. Vielmehr wirkt er wie ein Versuch, aus einem beliebten Konzept noch einmal Kapital zu schlagen, ohne wirklich etwas Neues erzählen zu wollen.

Artikel in Zusammenarbeit mit dem WILD Magazin

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