Keeper

Nachdem er bereits im letzten Jahr mit „Longlegs“ und zu Beginn diesen Jahres mit „The Monkey“ bewies, was er im Horror-Genre drauf hat, liefert Regisseur Osgood Perkins nun einen weiteren Film, der unter die Haut geht. „Keeper“ ist weniger Schreckensspektakel als ein psychologisch aufgeladenes Beziehungsdrama, das sich schleichend in einen fiebrig-übernatürlichen Albtraum verwandelt.

Liz (Tatiana Maslany) wird von Malcolm (Rossif Sutherland), mit dem sie ein Verhältnis hat, zu einem Wochenende in seiner abgelegenen Waldhütte eingeladen. Doch schon nach kurzer Zeit kippt die Atmosphäre: Malcolms Cousin Darren (Birkett Turton) besucht die Hütte ebenfalls in Begleitung des jungen Models Mika (Eden Weiss). Malcolm verschwindet für Erledigungen und lässt Liz mit unheimlichen Geräuschen, flüsternden Wänden und halluzinativen Erscheinungen allein. Zwischen Wahn und Wahrheit gefangen, findet Liz nach und nach mehr über die Vergangenheit von Malcolm und dem Waldhaus heraus.

Film Still "Keeper" Osgood Perkins

© NEON

Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass Perkins einmal mehr auf subtile Beklemmung statt laute Effekthascherei setzt: eine isolierte Hütte, eine komplizierte Affäre und eine Protagonistin, deren Unwohlsein und Mistrauen sekündlich wächst. Diese Ausgangslage weckt sofort die Frage, ob sich Liz in einem emotionalen Minenfeld oder in einem tatsächlich übernatürlichen Gefüge wiederfindet – und genau dieses Changieren zwischen Realität und Wahn ist es, das den Film zunächst so reizvoll macht. Gleichzeitig wird aber auch früh spürbar, dass Perkins sich stark auf vertrauten Genrepfaden bewegt, was die grundsätzliche Richtung der Handlung bereits zu Beginn erahnen lässt.

Die klare Stärke von „Keeper“ ist seine visuelle Gestaltung. Präzise Bildkompositionen und ungewöhnliche Perspektiven verleihen dem Film einen einzigartigen Look. Besonders beeindruckend ist die Verwendung von Überblendungen, die die Charaktere mit ihrer Umgebung verschmelzen lassen, sodass Realität und Imagination sich immer weiter verschieben. Diese visuelle Konsequenz verschafft dem Film eine dichte, traumartige Atmosphäre, die das psychische Labyrinth der Protagonistin unmittelbar spürbar macht und die Zuschauer fesselt, wo die inhaltliche Substanz fehlt.

Film Still Tatiana Maslany als Liz in "Keeper" Osgood Perkins

© NEON

Denn erzählerisch hat „Keeper“ deutliche Schwächen. Auch nach längerem nachdenken ist mir nicht wirklich klar, wo der Film herkommt und wo er hin will. Das Erzähltempo ist inkonsistent. Manche Szenen dehnen sich, ohne den psychologischen Druck zu verschärfen, während sich viele Sequenzen in der zweiten Hälfte sehr repetitiv anfühlen. Insgesamt wirkt der Film an wie eine Aneinanderreihung von Abschnitten, von denen einige zwar atmosphärisch stark sind, die aber insgesamt kein organisches Ganzes ergeben.

Besonders problematisch ist, dass der Film zentrale Themen – Manipulation, Abhängigkeit oder weibliche Selbstbehauptung – nur andeutet, ohne sie weiterzuentwickeln. Statt einer klaren inneren Entwicklung von Liz bleibt vieles an der Oberfläche oder wird unbeantwortet fallen gelassen, wodurch die emotionale Fallhöhe nie wirklich greifbar wird. Auch die Nebenfiguren wirken eher wie symbolische Marker denn wie Menschen aus Fleisch und Blut, was die dramaturgische Wirkung weiter schwächt.

In seinen besten Momenten ist „Keeper“ ein kunstvoll gewobener und psychologischer Horrorfilm, der das Genre nicht neu erfindet, aber ihm eine eigene Note verleiht. Leider verliert sich der Film an vielen Stellen in seinen eigenen Mysterien und schwachen Erzählstrukturen, die auch von der visuellen und atmosphärischen Dichte nicht gerettet werden können. So bleibt „Keeper“ letztlich hinter seinen eigenen Möglichkeiten zurück und schafft es nicht, seine interessanten Ansätze nachhaltig wirksam zu entfalten.

„Keeper“ startet am 20. November 2025 in den deutschen Kinos.

Filmposter "Keeper" Osgood Perkins
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