„Love Me, Love Me Not“ - Mai 2026

Wenn wir von Liebe im Kino sprechen, denken wir oft an große Gesten, Schicksalsbegegnungen und glückliche Enden. Doch Beziehungen sind selten so eindeutig. Was von außen wie Liebe, Bewunderung oder tiefe Verbundenheit erscheint, entpuppt sich auf den zweiten Blick oft als kompliziertes Geflecht aus Sehnsucht, Abhängigkeit und unausgesprochenen Erwartungen. Unter dem Monatsthema „Love Me, Love Me Not“ widmet sich heimkino. Köln im Mai genau diesen ambivalenten Verbindungen und versammelt vier Filme, die genau dorthin schauen, wo Liebe widersprüchlich wird.

Das Projekt heimkino. besteht seit Februar 2024 in Zusammenarbeit der flugmodus GmbH mit dem Kino CINENOVA in Köln Ehrenfeld. „Mit unserem Projekt möchten wir für die Community von Film- und Kinoliebhaber*innen ein Zuhause schaffen. Im Rahmen dieser Reihe bringen wir jeden Mittwoch Filmklassiker und unbekannte Meisterwerke auf die Leinwand zurück. Ein Monat widmet sich immer einem gemeinsamen Oberthema. Dadurch möchten wir dem Publikum unterschiedliche Filmperspektiven zum selben Thema anbieten, gemeinsam Antworten finden und neue Fragen stellen.“ Was mit einem kleinen Publikum begann, hat sich inzwischen zu einem Treffpunkt für Filmfans aus Köln und Umgebung entwickelt. Jedes Monatsprogramm ist mit Liebe zum Detail zusammengestellt.

Olivia Colman als Queen Anne in "The Favorite" von Yorgos Lanthimos

“The Favorite” © Twentieth Century Fox

Kuratiert wurde der Mai von niemand anderem als mir selbst (Laura aus dem heimkino.-Team). Beziehungsdynamiken waren für mich schon immer eines der interessantesten Elemente in Filmen, besonders wenn Machtgefälle oder Age Gaps mit im Spiel sind. Mich fasziniert, wie Kino Gefühle sichtbar machen kann, die im echten Leben oft schwer zu greifen sind – etwa wenn Nähe gleichzeitig Sicherheit und Gefahr bedeutet oder wenn Zuneigung an Bedingungen geknüpft ist. Für das Mai-Programm wollte ich deshalb Filme auswählen, die genau diese Spannungen auf ganz unterschiedliche Weise erzählen.

Eröffnet wird der Monat von Yorgos Lanthimos’ „The Favourite“, der einen bitterkomischen Blick auf ein Dreiecksverhältnis am englischen Königshof wirft. Zwischen Queen Anne und ihren beiden engsten Beraterinnen wird Zuneigung zur politischen Strategie. In „Carol“ erzählt Todd Haynes von einer lesbischen Liebe in den 1950er Jahren, die sich ihren Platz in einer Gesellschaft erkämpfen muss, die für sie keinen vorgesehen hat. Peyton Reed’s „Down with Love“ ist eine Hommage an die romantischen Komödien der frühen 1960er Jahre und spielt virtuos mit Geschlechterrollen und den Regeln des klassischen Liebesfilms. Mit „Sisi & Ich“ richtet Frauke Finsterwalder den Blick schließlich auf eine Beziehung, die sich jeder eindeutigen Einordnung entzieht. Zwischen Kaiserin und Hofdame entwickelt sich ein Verhältnis von Bewunderung, Projektion und emotionaler Abhängigkeit.

Cate Blanchett und Rooney Mara als Carol und Therese in "Carol" von Todd Haynes

“Carol” © Number 9 Films Ltd. / Wilson Webb

„Sisi & Ich“ ist dabei mein persönlicher Geheimtipp. Er fühlt sich an, als hätten „The Favourite“ und „Porträt of a Lady on Fire“ ein gemeinsames Kind bekommen. Mit Sandra Hüller und Susanne Wolff in den Hauptrollen ist er für mich der beste deutsche Filme der letzten Jahren.

Bei der Filmauswahl war mir wichtig, unterschiedliche filmische Formen nebeneinanderzustellen – vom historischen Intrigenspiel über das Liebesdrama bis zur satirischen Komödie und einem modernen Kostümfilm. So zeigt sich, wie vielfältig Kino über Beziehungen erzählen kann. Besonders spannend ist dabei auch, dass Liebe oder Zuneigung in diesen Filmen nie isoliert erscheint. Sie ist immer auch politisch, sozial codiert und mit Fragen nach Status, Geschlecht und Begehren verknüpft. Gerade deshalb ergänzen sich die vier Werke so gut: Sie erzählen von ganz verschiedenen Zeiten und Milieus, stellen aber ähnliche Fragen danach, wem Nähe nützt, wer über wen bestimmt und wie schwer es sein kann, sich aus ungesunden Dynamiken zu lösen oder sie gemeinsam zu überwinden.

Renee Zellweger als Barbara Novak in "Down With Love" von Peyton Reed

“Down With Love” © UFD

Die Spielzeiten für den Mai 2026 bei heimkino. sind wie folgt:

06.05.  „The Favourite“ (Filmbeginn irregulär um 20:30)

13.05.  „Carol“

20.05. „Down With Love“

27.05. „Sissi & Ich“

Die Vorstellungen starten jeweils um 20 Uhr. Tickets gibt es auf der CINENOVA-Website. Weitere Infos und Gewinnspiele für Freikarten sind auf dem heimkino.-Instagram zu finden.

Der Mai bei heimkino. zeigt, dass Liebe im Kino dann besonders spannend wird, wenn sie nicht eindeutig ist – wenn sie schmerzt, irritiert, befreit, verführt oder sich jeder klaren Definition entzieht. „Love Me, Love Me Not“ versammelt deshalb Filme, die keine einfachen Antworten geben, sondern Fragen stellen: Wer bestimmt die Regeln einer Beziehung? Wann wird Bewunderung zu Abhängigkeit? Wie sehr prägen gesellschaftliche Normen unsere intimsten Entscheidungen? Die vier ausgewählten Werke nähern sich diesen Fragen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – mal scharfzüngig, mal zärtlich, mal verspielt, mal melancholisch. Ein Programm, das Liebe nicht verklärt, sondern in all ihrer Komplexität sichtbar macht.

Sandra Hüller und Susanne Wolff als Irma und Sisi in "Sisi & Ich" von Frauke Finsterwalder

“Sisi & Ich” © Kinovista

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