Down With Love

Bevor Regisseur Peyton Reed mit den „Antman“-Filmen Mainstream-Erfolg hatte, schuf er mit „Down With Love“ eines der formal konsequentesten Studioexperimente der 2000er-Jahre. Als der Film erschien, hielten ihn manche für eine bloße Stilübung, während andere ihn als oberflächliche romantische Komödie abstempelten. Tatsächlich aber ist „Down With Love“ ein sehr künstlerischer, ironischer und erstaunlich kluger Film über Geschlechterrollen, Sexualpolitik und die Konstruktion romantischer Fantasien im amerikanischen Kino der 1960er.

Im New York der frühen Sechziger wird Barbara Novak (Renée Zellweger) mit ihrem Buch „Down With Love“ Bestsellerautorin. Ihr feministischer Ratgeber ermutigt Frauen dazu, emotionale Abhängigkeit von Männern zugunsten beruflicher Selbstverwirklichung und sexueller Freiheit aufzugeben. Die Magazinbranche Manhattans sieht ihre patriarchale Ordnung bedroht und der Frauenheld und Journalist Catcher Block (Ewan McGregor) beschließt, Barbara Novak zu verführen – nicht aus Liebe, sondern um ihre Ideologie öffentlich zu widerlegen.

Renée Zellweger als Barbara Novak in "Down With Love" von Peyton Reed

© UFD

„Down With Love“ ist inspiriert von den Liebeskomödien der frühen 1960er und funktioniert sowohl als Hommage als auch als Dekonstruktion. Besonders deutlich wird das in den offensichtlichen Anspielungen auf die Filme mit Doris Day und Rock Hudson, deren elegante Geschlechterkämpfe hier gleichzeitig gefeiert und hinterfragt werden. Reed übernimmt bewusst die stilisierten Dialoge, die überzeichneten Geschlechterrollen und die künstliche Studioästhetik dieser Zeit, überführt sie aber in einen modernen, selbstreflexiven Kontext.

Heute, im Zeitalter von Meta-Humor und Camp-Ästhetik, wirkt der Film seiner Zeit voraus. Dabei arbeitet „Down With Love“ extrem präzise mit Ironie und Künstlichkeit. Der Film weiß jederzeit genau, wie absurd seine Welt ist, nimmt seine Figuren emotional aber trotzdem ernst. Vor allem auch besitzt dieser Film etwas, das vielen anderen (insbesondere moderneren) RomComs fehlt: eine klare und eigene visuelle Handschrift. Die knalligen Farben, perfekt komponierten Split-Screen-Sequenzen und künstlich wirkenden Studiokulissen erzeugen eine Welt, die sich wie ein romantischer Traum anfühlt. Nichts soll hier realistisch wirken und genau darin liegt der Reiz. Peyton Reed nutzt die visuelle Überinszenierung nicht nur als nostalgisches Stilmittel, sondern als Kommentar auf die Künstlichkeit romantischer Ideale selbst.

Renée Zellweger und Ewan McGregor als Barbara Novak und Catcher Block in "Down With Love" von Peyton Reed

© UFD

Das Geniale an „Down With Love“ ist, dass er durch die oft überspitzt dargestellten Rollenbilder zu einer art Meta-Komödie über RomComs wird. Der Film zeigt Liebe als duschinszeniertes Theaterstück bestehend aus Posen, Fantasien und gesellschaftlichen Erwartungen. Gefühle werden choreografiert und es existiert hier keine realistische Emotionalität im heutigen Sinn. Und trotzdem funktioniert der Film emotional erstaunlich gut, weil er versteht, dass Menschen oft gerade durch Inszenierung miteinander kommunizieren. Peyton Reed macht daraus jedoch keinen zynischen Film. Er sagt nicht, dass Liebe grundsätzlich unecht oder manipulativ sei, sondern vielmehr, dass romantische Vorstellungen immer auch von kulturellen Bildern geprägt werden und dass das Kino dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Besonders spannend ist dabei auch, wie der Film mit feministischen Themen umgeht. Barbara Novak wird zunächst als Projektionsfläche männlicher Ängste inszeniert: eine unabhängige Frau, die sich den klassischen Erwartungen an Weiblichkeit entzieht. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto deutlicher wird, dass auch die Männerfiguren selbst Gefangene gesellschaftlicher Rollenbilder sind. Catcher Block performt permanent Männlichkeit, Charme und sexuelle Dominanz, weil er glaubt, genau das von sich zeigen zu müssen. „Down With Love“ macht daraus keine tiefenpsychologische Studie, aber eine überraschend scharfsinnige Beobachtung darüber, wie Geschlechterrollen Beziehungen beeinflussen und emotionales Verhalten formen.

Renée Zellweger und Sarah Paulson als Barbara Novak und Vikki Hiller in "Down With Love" von Peyton Reed

© UFD

Im Rahmen des Mai bei heimkino. zum Thema „Love Me, Love Me Not“ sticht „Down With Love“ stilistisch heraus. Peyton Reed untersucht Beziehungsdynamiken mit Satire, Camp und bewusster Überzeichnung. Trotzdem ging es auch hier um Machtverhältnisse, Manipulation und die Frage, wie sehr romantische Beziehungen von Erwartungen und gesellschaftlichen Bildern geprägt sind. Gerade durch seinen spielerischen Ton erweitert der Film das Monatsthema um eine leichtere, aber keineswegs oberflächliche Perspektive.

„Down With Love“ ist ein Film, der weitaus mehr zu bieten hat, als seine schrille Oberfläche vermuten lässt. Der Film ist ein intelligentes, visuell brillantes und überraschend subversives Spiel mit den Mechanismen romantischer Erzählungen. Hinter all dem Humor, den schnellen Dialogen und den perfekt sitzenden Kostümen verbirgt sich eine kluge Reflexion darüber, wie Liebe inszeniert wird – im Kino genauso wie im echten Leben. Auch deshalb bleibt „Down With Love“ auch über zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen so faszinierend, weil der Film gleichzeitig über romantische Fantasien lacht und trotzdem an die Möglichkeit echter Gefühle glaubt.

Noch mehr Machtspiele, Intrigen und natürlich auch echte Romantik gibt es im restlichen Mai bei heimkino. zum Thema „Love Me, Love Me Not“. Hier geht es Zur Monatsübersicht.

Filmposter "Down With Love" Peyton Reed, Renée Zellweger, Ewan McGregor, Sarah Paulson
Weiter
Weiter

Carol