American Psycho
„American Psycho“ gilt längst als moderner Klassiker und gehört zu jenen Filmen, die weit über ihr Genre hinausgehen und auch noch Jahre nach ihrer Veröffentlichung intensive Diskussionen auslösen. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Bret Easton Ellis nutzt Regisseurin Mary Harron die Figur des Patrick Bateman, um eine scharfsinnige und satirische Kritik an der konsumorientierten Leistungsgesellschaft der 1980er Jahre zu üben. Im Juni bei heimkino. Köln hat der Film das Monatsprogramm zu Thema „Where Is My Mind?“ eröffnet.
Der junge Investmentbanker Patrick Bateman (Christian Bale) lebt Ende der 1980er Jahre in der wohlhabenden New Yorker Finanzwelt. Nach außen ist er erfolgreich, attraktiv, kultiviert und besessen von Statussymbolen. Hinter dieser penibel konstruierten Fassade verbirgt sich jedoch ein zutiefst gestörter Mensch, der zunehmend in Gewaltfantasien und grausame Verbrechen abgleitet. Mehr und mehr verliert Patrick den Bezug zur Realität und die Grenzen zwischen kranker Vorstellung und tatsächlichen Geschehnisse verschwimmen immer weiter.
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Im Laufe der Jahre wurde Patrick Bateman von Teilen des Internets zu einer Arte Alpha-Male stilisiert und idealisiert – eine Interpretation, die der eigentlich Aussage des Films grundlegend widerspricht. Die Inszenierung macht deutlich, dass Bateman kein Vorbild, sondern eine Karikatur männlicher Erfolgsfantasien ist. Viele der berühmtesten Szenen drehen sich um scheinbare Belanglosigkeiten: Restaurantreservierungen, Visitenkarten oder Designeranzüge werden von den Figuren mit einer Ernsthaftigkeit behandelt, die völlig absurd scheint. Die dargestellten Männer wirken austauschbar, oberflächlich und unfähig, sich über etwas anderes als Status und Prestige zu definieren.
Mary Harron interessiert sich bei ihrer Umsetzung des Stoffes vor allem für die gesellschaftlichen Strukturen hinter Bateman misogynem und brutalen Verhalten. Dabei vermeidet sie es, ihren Protagonisten zu idealisieren oder seine Gewalt als Ausdruck von Stärke oder Dominanz darzustellen, denn Bateman Ausbrüche wirken stets verzweifelt. Der Film zeigt eine Umgebung, die emotionale Kälte, Konkurrenzdenken und die permanente Bewertung anderer Menschen normalisiert. Bateman erscheint dadurch als extreme Zuspitzung einer Kultur, die Erfolg über Empathie stellt.
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Großen Anteil an der Wirkung des Films hat Christian Bale mit seiner Darstellung des Patrick Bateman. Mit beeindruckender Präzision bewegt er sich zwischen Charme, Komik, Narzissmus und Bedrohlichkeit. Sein Bateman wirkt in einem Moment lächerlich und im nächsten zutiefst verstörend. Es entsteht das Porträt eines Menschen, dessen gesamte Persönlichkeit aus Masken besteht und besonders in den Momenten, in denen diese Maske der Perfektion zu bröckeln beginnen, glänzt Bale mit einer emotional intensiven Performance.
Auch wenn der Film in den 80er Jahren spielt, wirkt er immer noch brandaktuell. Denn viele der Themen, die in „American Psycho“ behandelt werden, sind seit seiner Veröffentlichung noch relevanter geworden. Permanente Selbstinszenierung, die Jagd nach sozialer Anerkennung sowie die Definition des eigenen Wertes über Statussymbole und öffentliche Wahrnehmung haben im Zeitalter sozialer Medien eine neue Dimension erreicht. Patrick Bateman ist ein Mensch, der seine Identität vollständig aus der äußeren Wahrnehmung anderer Menschen konstruiert und dadurch zwar eine makellose Hülle hat, aber innerlich völlig leer ist.
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Intensive Wirkung erzielt der Film besonders mit der zunehmenden Auflösung der Grenzen zwischen Realität und Einbildung. Damit fügt sich „American Psycho“ perfekt in das Juni-Programm bei heimkino. zum Thema „Where Is My Mind?“ ein. Das Publikum erlebt die Welt fast ausschließlich durch Batemans Perspektive, wodurch es auch alle Brüche und Unsicherheiten mit ihm gemeinsam erfährt. Letztlich verbirgt sich hinter all der Gewalt, dem schwarzen Humor und der Gesellschaftssatire eine Geschichte über Identität. Über einen Menschen, der so sehr damit beschäftigt ist, eine Rolle zu spielen, dass er den Zugang zu sich selbst verliert. Seine Realität beginnt dort zu zerbrechen, wo keine stabile Persönlichkeit mehr existiert.
„American Psycho“ ist ein Film, der sich bei näherer Betrachtung einfachen Einordnungen entzieht. Horrorfilm, Satire, Gesellschaftskritik und psychologisches Porträt greifen hier nahtlos ineinander. Hinter den schockierenden Bildern verbirgt sich eine präzise Analyse einer Gesellschaft, in der Erfolg, Konsum und Status längst wichtiger geworden sind als Menschlichkeit oder Individualität. Mehr als 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat „American Psycho“ deshalb nichts von seiner Wirkung verloren. Im Gegenteil: Viele seiner Beobachtungen erscheinen heute sogar noch treffender als damals. Mary Harron gelingt ein Film, der gleichzeitig unterhält, verstört und zum Nachdenken anregt.
Noch mehr Identitätskrisen und brüchige Realitäten gibt es im restlichen Juni bei heimkino. Hier geht es zur Programmübersicht.