The End of Oak Street

David Robert Mitchell hat sich mit Filmen wie „It Follows“ und „Under the Silver Lake“ nicht gerade als Regisseur für einfache Unterhaltung einen Namen gemacht. Nun schickt er eine amerikanische Familie samt Einfamilienhaus in deine Welt voller Dinosaurier. Das klingt nach einem ziemlich absurden Karriere-Schlenker – und genau das ist „The End of Oak Street“ auch, aber doch ganz anders als erwartet. Ein Film, der großes Blockbuster-Spektakel mit Mystery, Familienabenteuer und emotionalen Konflikten verbindet und dabei häufig überrascht.

Die Familie Platt führt ein relativ normales Leben in einer amerikanischen Vorstadt. Doch eines Tages wird ihr Zuhause mitsamt der Straße, auf der es steht, aus seiner vertrauten Umgebung herausgerissen und an eine unbekannten Ort versetzt. Statt friedlicher Vorstadtidylle finden sich Mutter Denise (Anne Hathaway), Vater Greg (Ewan McGregor) und die beiden Kinder Brian (Christian Convery) und Audrey (Maisy Stella) in einer Landschaft wieder, die von urzeitlichen Pflanzen und Dinosauriern bevölkert ist und diese sind alles andere als friedlich. Gemeinsam müssen sie herausfinden, wo sie gelandet sind, wie sie überleben können und ob es überhaupt einen Weg zurück in ihre alte Welt gibt.

Still "The End of Oak Street" von David Robert Mitchell mit Anne Hathaway und Ewan McGregor

© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Eine der größten Überraschungen ist, wie wenig sich „The End of Oak Street“ wie reines Blockbuster-Kino anfühlt. Ich bin mit genau dieser (vielleicht etwas negativ konnotierten) Erwartung in den Film gegangen: große Bilder, Dinosaurier und vermutlich eine Geschichte, die vor allem als Vehikel für spektakuläre Szenen funktioniert. Stattdessen werden die fremde Welt und ihre Mysterien nicht vollständig ausbuchstabiert – nicht jede Frage bekommt eine Antwort, nicht jede Regel dieser Welt wird erklärt. Vieles wird über Bilder, Bewegungen und Reaktionen der Figuren erzählt, anstatt es von ihnen explizit aussprechen zu lassen. Mitchell vertraut darauf, dass das Publikum selbst beobachten und Schlüsse ziehen kann.

Das passt auch zu der Art, wie Mitchell seine Dinosaurier und andere urzeitliche Kreaturen inszeniert. Natürlich sind sie eine Attraktion des Films, die für Spektakel sorgen soll, aber sie verkommen nicht zu reinen effekthascherischen Instrumenten, sondern verleihen der Welt eine große Lebendigkeit. Sie haben Textur, Fell, Federn und wirken keineswegs wie austauschbare digitale Monster. Man hat tatsächlich das Gefühl, unterschiedliche Lebewesen vor sich zu haben, die auf verschiedene Weisen mit ihrer Umwelt interagieren und nicht ausschließlich dafür existieren, regelmäßig aus dem Gebüsch zu springen und Figuren zu jagen – auch wenn sie das trotzdem gelegentlich tun. Denn „The End of Oak Street“ hat keine Scheu davor, seine Dinosaurier brutal werden zu lassen – brutaler als erwartet. Manche Szenen sind deutlich blutiger und gehen stärker in Richtung Creature- und Tierhorror, als es die zunächst eher familienfreundlich wirkende Abenteuerfilm-Atmosphäre vermuten lässt.

Still "The End of Oak Street" von David Robert Mitchell mit Anne Hathaway und Ewan McGregor

© 2026 Warner Bros. Entertainment Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Überhaupt ist der Film sehr schwankend, was seine Tonalität angeht. Auf der einen Seite hat „The End of Oak Street“ immer wieder etwas von einem Kinder- und Jugendfilm. Die Grundidee besitzt eine kindliche Faszination mit der fremden Welt der Dinosaurier. Es gibt Momente des Staunens und der Faszination, die dann jedoch häufig von der düsteren und brutalen Realität dieser Welt aufgebrochen werden. Auch die emotionalen Konflikte besonders der erwachsenen Figuren sind für diese Art von Film erstaunlich komplex ausgearbeitet. Denise und Greg haben Konflikte, die auch während der Katastrophe bestehen bleiben und sich entwickeln. Auch die Kinder sind dabei mehr als bloße Anhängsel ihrer Eltern. Brian und Audrey reagieren sehr unterschiedlich auf die neue Situation und entwickeln jeweils ihre eigenen Strategien, mit der Angst umzugehen. Das gibt dem Film eine emotionale Ebene, die ihn immer wieder von einem reinen Survival-Abenteuer wegführt, für junge Zuschauer aber womöglich stellenweise weniger zugänglich macht. Diese Mischung in Tonalität und Handlung ist einerseits reizvoll, sorgt aber andererseits dafür, dass „The End of Oak Street“ nicht immer ganz klar erkennen lässt, für welches Publikum er eigentlich gemacht ist.

„The End of Oak Street“ macht vor allem eines: Spaß. Der Film schwankt zwar tonal zwischen Familienabenteuer, Mystery und brutalem Dinosaurier-Spektakel und findet dadurch nicht immer eine klare Identität, doch gleichzeitig ist er mit seiner Laufzeit von 99 Minuten angenehm kompakt und erzählerisch überraschend selbstbewusst. Nicht jedes Mysterium muss erklärt werden, nicht jede Idee geht auf – aber gerade weil Mitchell seinem Publikum einiges zutraut, fühlt sich dieser Dinosaurierfilm deutlich positiver und vor allem anders an als erwartet.

Im Podcast beim Tele-Stammtisch haben Stu und ich „The End of Oakstreet“ ausführlich besprochen und diskutiert. Hier geht es zur Podcast-Folge.

„The End of Oak Street“ startet am 13. August 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "The End of Oak Street" von David Robert Mitchell mit Anne Hathaway und Ewan McGregor
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Sunny Dancer