The Bride!

„Here comes the mothef***ing Bride!“ Endlich wieder Female Rage. Dieses Motiv zieht sich wie ein elektrischer Strom durch die Filmgeschichte – von stummem Leiden hin zu explodierender Selbstermächtigung. Lange war weibliche Wut entweder pathologisiert oder romantisiert, selten jedoch als legitime, schöpferische Kraft begriffen worden. In „The Bride!“ katalysiert Regisseurin Maggie Gyllenhaal genau diese weibliche Wut in eine Figur, die historisch zum Schweigen verdammt war: Frankenstein’s Braut.

Im Chicago der 1930er Jahre wünscht sich das einsame Frankensteins’s Monster (Christian Bale), welches sich inzwischen selbst Frank nennt, eine Gefährtin und sucht mit diesem Wunsch Dr. Euphronius (Annette Benning) auf. Gemeinsam gelingt es ihnen, aus einer Frauenleiche Frankenstein’s Braut (Jessie Buckley) zu erschaffen. Doch statt sich widerstandslos an Franks Seite zu fügen, beginnt die Braut, die Welt auf eigene Faust zu erkunden: gierig nach Erfahrung, Freiheit und Selbstdefinition. Während ihre Beziehung zwischen Nähe und Entfremdung schwankt, reagiert die Öffentlichkeit mit Faszination und Angst auf das unkonventionelle Paar und es beginnt eine medial befeuerte Hetzjagd.

Christian Bale als Frankie und Jessie Buckley als die Braut in "The Bride!" von Maggie Gyllenhaal

© Warner Bros.

Gyllenhaal inszeniert die Geschichte in stilisierten Großstädten der 1930er – eine Welt aus Neon, Dreck, Jazz und gesellschaftlicher Umbruchsstimmung. Diese Ästhetik ist mehr als bloße Kulisse: Sie spiegelt den inneren Zustand der Figuren. Alles ist im Übergang, nichts stabil. Tradition und Moderne reiben sich aneinander wie zwei elektrische Pole. Die Kamera bleibt dabei meist bei der Braut, nicht bei ihrem männlichen Counterpart. Der Blick gehört ihr.

„The Bride!“ Ist unübersehbar politisch. Die Emanzipation der Braut ist das pulsierende Zentrum des Films. Wo sie in früheren Adaptionen vor allem Projektionsfläche männlicher Schöpfungsfantasien bleibt, wird sie hier zur eigenständigen Instanz mit Widerspruchsgeist und Begehren. Sie verweigert sich der Rolle als „für jemanden Gemachte“ und hinterfragt die Erwartungen des Monsters ebenso wie die patriarchalen Strukturen, die ihre Existenz rahmen. Ihre Selbstermächtigung ist kein plötzlicher Befreiungsschlag, sondern ein schmerzhafter, widersprüchlicher Prozess. Sie lernt Sprache als Waffe zu nutzen, entdeckt Lust als Möglichkeit und schafft es vor allem, „Nein!“ zu sagen.

Annette Benning als Dr. C. Euphronius in "The Bride!" von Maggie Gyllenhaal

© Warner Bros.

Ebenso rau wie die Charaktere sind die Inszenierung und der Schnitt: Tonwechsel wirken abrupt, Kontraste sind hart und Lichter grell. Auf einer Art Meta-Ebene wird die Autorin Mary Shelley selbst in das Narrativ integriert. Immer wieder bricht sie in die Erzählung hinein und befeuert die Emanzipation der Braut. Diese wiederholten Eingriffe erzeugen Brüche im Erzählfluss. Sie irritieren, wirken fast essayistisch, verleihen dem Film jedoch zugleich eine zusätzliche Reflexionsebene – sie reißen aus der Illusion und machen deutlich, dass es hier nicht nur um eine Geschichte, sondern um ein Statement geht.

„The Bride!“ Ist ein Film, der sich Konventionen genau so wenig anpasst wie seine Protagonistin. Nicht jede formale Entscheidung geht vollständig auf, manche Brüche wirken sperrig – doch gerade in dieser Widerständigkeit liegt die Stärke des Films. „The Bride!“ ist kein reiner Monsterfilm, sondern ein wütender, kluger Kommentar darauf, wie schwer es ist, sich aus den Erwartungen anderer freizuschneiden. Eine brachiale, manchmal anstrengende, aber notwendige Neuerzählung.

Es gibt zu diesem Film so unglaublich viel zu sagen, aber das würde den Rahmen hier etwas sprengen. Im Podcast beim Tele-Stammtisch haben Schogger, Stu und ich „The Bride!“ gemeinsam besprochen und ausführlich diskutiert. Hier geht es zur Podcast-Folge.

„The Bride!“ startet am 5. März 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "The Bride!" Maggie Gyllenhaal, Jessie Buckley, Christian Bale
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The Chronology of Water