The Moment

Der „Brat Summer“ ist noch lange nicht vorbei – ganz zum Leid von Charli xcx. Was einst als ästhetische Provokation und selbstironisches Pop-Statement gefeiert wurde, ist inzwischen zum kulturellen Dauerzustand geworden. Neonfarben, Attitüde und Algorithmus-taugliche Coolness haben sich verselbstständigt. Doch wie entkommt man einem Image, das man selbst so erfolgreich erschaffen hat? Diesem Spannungsfeld widmet sich die Mockumentary „The Moment“ von Regisseur Aidan Zamiri.

Der Film hinterfragt das moderne Pop-Star-Dasein aus einer Meta-Perspektive, die sich zugleich kritisch und liebevoll über die Musik- und Medienwelt äußert. „The Moment“ ist eine Mockumentary über die Höhen und Tiefen des Erfolgs. Nach dem von ihr erschaffenen Phänomen Brat Summer kämpft Charli xcx gegen die immensen Erwartungen – diejenigen von außen, aber auch ihre eigenen.

Cheri xcx in "The Moment" Aidan Zamiri

© A24

Zamiri nutzt den Gegensatz zwischen Realität und Konstruktion geschickt: Szenen, die aussehen als seien sie spontan eingefangen worden, wechseln mit überzeichneten, teils surrealen Momenten. Eine hochkarätige Besetzung – allen voran Alexander Skarsgård als manipulativer Regisseur – und Cameos prominenter Persönlichkeiten wie Kylie Jenner oder Rachel Sennott verstärken diese Symbiose zwischen Satire und Selbstdarstellung.

Doch während „The Moment“ versucht, Charli xcx’s Pop-Star-Präsenz zu dekonstruieren, erreicht der Film oft genau das Gegenteil. Momente, in denen Charli einen Blick in ihre Innenwelt gewährt, sind so stark inszeniert, dass sie bei mir kaum emotionale Wirkung erzielt haben. Diese Szenen sind visuell beeindruckend, aber emotional steril: perfektes Licht, perfekter Bildausschnitt, perfekter Zusammenbruch. Hier wird das Paradox des Films deutlich: Er will Nähe herstellen und demonstriert dabei vor allem die Unmöglichkeit echter Unmittelbarkeit im durchinszenierten Popkosmos.

Rachel Seenot in "The Moment" Charli xcx Aidan Zamiri

© A24

Während die Idee einer bissigen Satire über das Musik-Business verlockend klingt, ist der Humor im Film überraschend zahm. Viele der Überspitzungen bleiben unterentwickelt oder wirken wie bloß aneinandergereihte Sketche. Ernsthafte satirische Kritik an der Musik- und Medienmaschinerie entsteht eher selten.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass es durchaus schwierig ist, ein System ernsthaft zu kritisieren, wenn man selbst weiterhin in ihm agiert und aus ihm profitiert. Das führt dazu, dass „The Moment“ seine Kritik hauptsächlich in einem fiktional-abgekapselten Raum ausübt, aber nicht in die Realität hinausträgt. Diese Doppelmoral hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und nimmt dem Film genau jene Schärfe, die ihn zu einem wirklich subversiven Werk hätte machen können. Der Film schneidet Strukturen von Ausbeutung, Hype-Mechaniken und kalkulierter Skandalisierung an, schreckt jedoch vor Konsequenzen zurück. Die Kritik bleibt angedeutet, nie wirklich riskant.

Charli xcx in "The Moment" Aidan Zamiri

© A24

Für Fans von Charli xcx bietet der Film einen unterhaltsamen Einblick in die Welt des Pop-Idols und sorgt mit vielen popkulturellen Referenzen durchaus für Spaß. Für Kinogänger, die keinen Bezug zu Charli’s Musik oder dem Brat Summer haben und sich Substanz und Ironie erhoffen, wird „The Moment“ zu oberflächlich bleiben. Als Zeitdokument über Popkultur und Image-Inszenierung funktioniert er, als bissige Satire hingegen fehlt ihm die nötige Radikalität.

Im Podcast beim Tele-Stammtisch haben Stu und ich noch ausführlicher über „The Moment“ sowie unsere eigenen Verbindung zum Brat Summer und über die Doppelmoral der Medienbranche gesprochen. Hier geht es zum Podcast.

„The Moment“ startet am 19. Februar 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "The Moment" Charli xcx Aidan Zamiri
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