Lesbian Space Princess

„Sie ist lesbisch. Sie ist im Weltraum. Und sie ist eine Prinzessin – oh und sie ist sehr traurig.“ Mit „Lesbian Space Princess“ katapultieren die australischen Regisseurinnen Leela Varghese und Emma Hough Hobbs ihr animiertes Debütwerk auf die große Leinwand. Was drauf steht, ist auch drin, aber nicht ausschließlich. Was auf den ersten Blick wie eine exzentrische Sci-Fi-Komödie aussieht, entpuppt sich als mutiger und überraschend emotionaler Genre-Mix, der weit mehr zu bieten hat als alberne Gags und schrille Farben.

Die Geschichte dreht sich um Saira (Stimme: Shabana Azeez), eine introvertierte Weltraumprinzessin vom Planeten Clitopolis, einer lesbisch-matriarchalen Nation. Nachdem die heiße Kopfgeldjägerin Kiki (Stimme: Bernie Van Tiel) mit ihr Schluss macht und anschließend von den Straight White Maliens entführt wird, muss sich Saira auf eine intergalaktische Mission begeben, um ihre Ex-Partnerin zu retten und dabei lernen, ihre eigenen Ängste und emotionalen Wunden zu überwinden.

Saira und Willow in "Lesbian Space Princess" Leila Varghese und Emma Hough Hobbs

© Salzgeber

Visuell erinnert „Lesbian Space Princess“ an Serien wie „Adventure Time“, hebt sich aber trotzdem mit einem eigene Stil ab. Der Animationsstil wirkt teils roh und skizzenhaft, deutlich geprägt von Internetkultur und Indie-Animation. Bunte Farben und ausgefallene Charakter-Designs machen den Look aus. Diese Ästhetik wirkt zunächst chaotisch, entpuppt sich aber schnell als präzise Spiegelung von Sairas innerem Zustand. Der Weltraum ist grell, laut und überwältigend – genau wie ihre Emotionen.

Das Animationsgenre wird im Mainstream häufig mit Kinderunterhaltung oder zumindest familienfreundlichen Stoffen verbunden. „Lesbian Space Princess“ zeigt, wie befreiend das Medium sein kann, wenn es nicht an diese Erwartungen gebunden ist. Es ermöglicht den Regisseurinnen, emotionale, queere und gesellschaftlich komplexe Themen mit einer stilistischen Freiheit zu erzählen, die im Realfilm kaum möglich wäre. Gefühle, Konflikte und Lebensrealitäten werden symbolisch-visuell übersetzt und greifbar gemacht.

So gelingt es dem Film beispielsweise auf bemerkenswerte Art und Weise, mit dem Thema mentale Gesundheit umzugehen. Sairas Selbstzweifel und Angstzustände werden bildhaft verdeutlicht und ziehen sich durch die gesamte Erzählung. Der Film nimmt ihre Depression ernst, zeigt Rückschläge ebenso wie kleine Fortschritte und vermeidet dabei einfache Heilungsversprechen. Gerade in diesen ernsteren Momenten, wenn die schrille Oberfläche kurz aufbricht, entwickelt „Lesbian Space Princess“ eine unerwartete emotionale Tiefe. Dass Humor und Schmerz hier nebeneinander existieren dürfen, ohne sich gegenseitig zu entwerten, gehört zu den größten Stärken des Films.

Kween Kong als Blade  in "Lesbian Space Princess" Leila Varghese und Emma Hough Hobbs

© Salzgeber

Die Charaktere sind allesamt auf ihre eigene Arte und Weise liebenswert. Sie sind unperfekt, aber das dürfen sie auch sein, denn sie sind vor allem eines: relatable. Selbst die Straight White Maliens oder das „Problematische Raumschiff“ mit dem sich Saira durch die Gaylaxie bewegt, bleiben keine eindimensionalen Gags, sondern erhalten eine kleine, wenn auch teils ironische Charakterentwicklung. Zufällige Begegnungen oder temporäre Sidekicks von Saira bleiben trotz kurzer Auftritte im Gedächtnis, weil sie zum einen archetypisch gezeichnet sind, zum anderen aber überraschend menschlich und direkt aus dem Leben gegriffen.

„Lesbian Space Princess“ ist ein radikal queerer und unglaublich lustiger Animationsfilm, der es schafft, zwischen all seinen popkulturellen Referenzen auch ernste Themen behutsam zu behandeln. Der Film feiert queere Identität, ohne sie zu romantisieren, und kritisiert gleichzeitig Ausgrenzung, Anpassungsdruck und interne Machtgefälle. Es ist ein Film von queeren Menschen für queere Menschen und genau das macht ihn so besonders.

In der wohl queersten Podcastfolge des Tele-Stammtisch haben Johannes und ich nicht nur über den Film gesprochen, sondern auch über unsere eigenen Erfahrungen als Teil der LGBTQ-Community und darüber, warum Filme wie „Lesbian Space Princess“ so wichtig für diese Community sind. Zum Podcast hier klicken.

„Lesbian Space Princess“ startet am 22. Januar 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "Lesbian Space Princess" Leila Varghese und Emma Hough Hobbs
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