Is This Thing On?

Früher haben Männer mit Midlife-Crisis sich Motorräder gekauft, heute machen sie Filme über andere Männer mit Midlife-Crisis. Bradley Cooper hat mal wieder Regie geführt und bringt seinen neuen Film „Is This Thing On?“ als selbstreflexives Drama mit Comedy-Elementen In die Kinos. Dabei wirkt das Projekt wie ein sehr persönlicher Film, der unbedingt etwas über das Älterwerden, verpasste Chancen und männliche Selbstzweifel sagen will. Der Film möchte gleichzeitig schonungslos ehrlich und charmant unterhaltsam sein – am Ende schafft er weder das eine noch das andere.

Während ihre Ehe still und leise zerbricht, stehen Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen: Alex kämpft mit dem Älterwerden sowie der bevorstehenden Scheidung und sucht in der New Yorker Comedy-Szene nach einem neuen Lebenssinn. Tess hingegen stellt sich den persönlichen Entbehrungen, die sie ihrer Familie zuliebe in Kauf genommen hat. Beide müssen sich mit Themen wie Co-Parenting, Identität und der Frage auseinandersetzen, ob Liebe eine neue Form annehmen kann.

Will Arnett als Alex und Laura Dern als Tess in "Is This Thing On?" von Bradley Cooper

© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

So menschlich-interessant diese Ausgangssituation auch klingt, so leidig entwickelt sich die Erzählung. Das Drehbuch bildet weder glaubhafte Konflikte heraus noch findet es eine klare erzählerische Linie. Statt die emotionalen Brüche wirklich auszuspielen, springt die Handlung von Szene zu Szene, ohne dass sich echte Spannung aufbauen kann. Konflikte wirken konstruiert, Streitgespräche verlaufen ins Leere und zentrale Entscheidungen bleiben unmotiviert. Dadurch fehlt der Geschichte jede innere Logik und Konsequenz.

Noch schlimmer als die Erzählung an sich sind die Charaktere. Will Arnett als Alex soll anscheinend als nachvollziehbarer und tragischer Protagonist erscheinen, ist allerdings absolut anstrengend. Sein permanentes Selbstmitleid und aufreißerisches Verhalten macht es sehr schwer, mit ihm mitzufühlen geschweigedenn ihn zu mögen. So toll ich Laura Dern auch finde, kann auch sie diesen Film nicht retten. Tess bleibt blass, ihre Motive werden nur angedeutet und ihre Persönlichkeit wird mehr behauptet als dass sie entwickelt wird. Gerade weil der Film vorgibt, beide Perspektiven ernst zu nehmen, fällt auf, wie wenig Raum Tess tatsächlich bekommt.

Will Arnett als Alex in "Is This Thing On?" von Bradley Cooper

© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

Auch der erhoffte Humor lässt auf sich warten. Ein Film über Stand-up-Comedy, der kaum zum Lachen bringt, steht schon vor einem offensichtlichen Problem. Doch „Is This Thing On?“ scheitert nicht einmal spektakulär – er ist schlicht unlustig und ermüdend. Besonders die Stand-up-Auftritte, die eigentlich als emotionaler Befreiungsschlag für Alex gedacht sind, ziehen sich endlos hin und wenn dann auch noch jeder Gag in absolutem Fremdscham endet, ist das kein Stilmittel mehr, sondern einfach nur nervig. Der Film verwechselt versuchte Authentizität mit Unbeholfenheit. Was als ehrlicher Blick auf das Scheitern gedacht ist, fühlt sich eher wie fehlendes Gespür für Timing und Rhythmus an.

Das einzige Positive ist die Inszenierung. Kameraführung und Licht sind überraschend stilvoll und der Film bietet einige interessante visuelle Perspektiven an. Vor allem die ruhigen Einstellungen in Wohnungen, Bars und kleinen Comedy-Clubs haben eine angenehme Melancholie, die viel besser funktioniert als der Humor. Auch die Farbgebung unterstützt diese Grundstimmung des Films und zeigt, dass hinter der Kamera durchaus jemand mit Gespür für Atmosphäre und Bilder steht – nur repariert schöne Optik kein schlechtes Drehbuch.

Will Arnett als Alex in "Is This Thing On?" von Bradley Cooper

© 2025 Searchlight Pictures All Rights Reserved.

„Is This Thing On?“ ist ein Film, der schwach anfängt und dann stark nachlässt. Während ich 121 Minuten im Kino saß und darauf gewartet habe, dass endlich mal was Interessantes passiert, habe ich mich eigentlich die ganze Zeit nur gefragt, wann dieses Thing denn endlich wieder off ist. An dieser Stelle darf man anmerken, dass ich als 20 Jahre alte Frau ohne Midlife-Crisis wahrscheinlich einfach nicht die Zielgruppe bin – und das stimmt auch. Allerdings hatte ich mich im Vorfeld wirklich auf den Film gefreut und habe versucht, ihn zu mögen, woran ich kläglich gescheitert bin. „Is This Thing On?“ ist für mich die bisher größte Enttäuschung des Jahres. Ich wünsche Bradley Cooper, dass er seine eigene Midlife-Crisis lösen kann, aber vielleicht in Zukunft nicht mehr auf der Kinoleinwand.

Im Podcast beim Tele-Stammtisch haben Stu (ein echter Mann mit echter Midlife-Crisis) und ich uns noch mehr über „Is This Thing On?“ aufgeregt. Hier geht es zur Podcast-Folge.

„Is This Thing On?“ startet am 19. März 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "Is This Thing On?" von Bradley Cooper
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