Der Astronaut - Project Hail Mary
Ist das der beste Science-Fiction Film seit „Interstellar”? Mit „Der Astronaut - Project Hail Mary“ wagen sich die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller an eine der faszinierendsten Science-Fiction-Adaptionen der letzten Jahre. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir, dessen vorheriges Werk bereits als „Der Marsianer“ zum Kinohit wurde. Selten war Wissenschaft im Kino so spannend.
Dr. Ryland Grace (Ryan Gosling), ein Naturwissenschaftler und Lehrer, erwacht ohne Erinnerung an Bord eines Raumschiffs, Lichtjahre von der Erde entfernt. Erst nach und nach begreift er seine Mission: Er ist Teil eines verzweifelten Projekts, das eine kosmische Katastrophe verhindern soll. Eine mysteriöse Mikroorganismus-Spezies – die Astrophage – entzieht der Sonne Energie und droht das Leben auf der Erde innerhalb weniger Jahrzehnte zu vernichten. Um dies zu verhindern, muss Dr. Grace auf sein wissenschaftliches Fachwissen und einige unkonventionelle Ideen zurückgreifen. Dabei führt eine unerwartete Freundschaft dazu, dass er all dies vielleicht nicht ganz allein tun muss…
Wie schon die Romanvorlage basiert auch die Filmadaption stark auf realer Wissenschaft. Das Drehbuch von Drew Goddard, der ebenfalls „Der Marsianer“ adaptierte, findet eine bemerkenswerte Balance zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und erzählerischer Zugänglichkeit. Die wissenschaftlichen Probleme sind nicht bloß Hintergrund, sondern der eigentliche Motor der Handlung. Auch visuell orientiert sich die Inszenierung stark an realer Raumfahrttechnik. Das Raumschiff wirkt funktional statt futuristisch, Instrumente sehen benutzt aus und die Schwerelosigkeit wird mit überraschender Detailtreue dargestellt. Dadurch bekommt die Geschichte eine Bodenhaftung, die den späteren, fantastischeren Elementen umso mehr Glaubwürdigkeit verleiht.
Was den Film von vielen anderen Science-Fiction-Werken unterscheidet, ist sein Tonfall. Lord und Miller, die aus Filmen wie „The Lego Movie“ oder „21 Jump Street“ viel Comedy-Erfahrung mitbringen, gelingt in „Der Astronaut - Project Hall Mary“ ein Balanceakt: Trotz existenzieller Bedrohung bleibt der Film erstaunlich optimistisch und lebt von seinem Humor. Der drohende Weltuntergang fühlt sich dadurch nicht wie ein nihilistisches Szenario an, sondern wie eine Herausforderung, die mit Kreativität und Zusammenarbeit bewältigt werden könnte.
Dass der Film so funktioniert, liegt vor allem an Ryan Gosling. Seine Darstellung von Dr. Grace ist erfrischend antiheroisch: Ein nervöser, zweifelnder Wissenschaftler, der eher widerwillig in die Rolle des Retters der Menschheit gedrängt wird. Bemerkenswert ist auch Sandra Hüller in der Rolle der Eva Stratt, welche das intergalaktische Rettungsprojekt auf der Erde plant und leitet. Hüller spielt die Figur als kompromisslose Strategin, die bereit ist, moralisch schwierige Entscheidungen zu treffen, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Gerade im Zusammenspiel zwischen Hüllers nüchterner Entschlossenheit und Goslings unsicherem Wissenschaftler entsteht ein spannender Kontrast.
„Der Astronaut - Project Hail Mary“ beweist, dass große Ideen auch ohne Daueraction funktionieren können. Die Mischung aus wissenschaftlicher Neugier, trockenem Humor und echter emotionaler Wärme hebt den Film deutlich von vielen Genreproduktionen ab. Ryan Gosling überzeugt als widerwilliger Held, während die Inszenierung darauf vertraut, dass das Publikum Freude daran hat, beim Denken zuzusehen, Probleme Schritt für Schritt gelöst zu bekommen und Figuren zu begleiten, die nicht perfekt sind.
„Der Astronaut - Project Hail Mary“ startet am 19. März 2026 in den deutschen Kinos.