„The Cost of Living” - August 2026
Wie sieht ein Alltag aus, wenn selbst die kleinsten Entscheidungen von gesellschaftlichen Zwängen, wirtschaftlicher Unsicherheit und staatlicher Kontrolle beeinflusst werden? Mit „The Cost of Living“ richtet heimkino. Köln im August den Blick auf den Iran und auf vier Filme, die genau dort ansetzen: nicht bei politischen Schlagzeilen, sondern bei den Menschen, die täglich mit ihren Folgen leben. Im Mittelpunkt stehen Familien, Paare und Einzelpersonen, deren Geschichten von Liebe, Verantwortung, Hoffnung und moralischen Konflikten erzählen.
Das Projekt heimkino. besteht seit Februar 2024 in Zusammenarbeit der flugmodus GmbH mit dem Kino CINENOVA in Köln Ehrenfeld. „Mit unserem Projekt möchten wir für die Community von Film- und Kinoliebhaber*innen ein Zuhause schaffen. Im Rahmen dieser Reihe bringen wir jeden Mittwoch Filmklassiker und unbekannte Meisterwerke auf die Leinwand zurück. Ein Monat widmet sich immer einem gemeinsamen Oberthema. Dadurch möchten wir dem Publikum unterschiedliche Filmperspektiven zum selben Thema anbieten, gemeinsam Antworten finden und neue Fragen stellen.“ Was mit einem kleinen Publikum begann, hat sich inzwischen zu einem Treffpunkt für Filmfans aus Köln und Umgebung entwickelt. Jedes Monatsprogramm ist mit Liebe zum Detail zusammengestellt.
„A Separation” © Sony Pictures Classics
Kuratiert wurde das August-Programm von Dastan, der von den persönlichen Hintergründen seiner Themenwahl erzählt: „Der Ausgangspunkt war mein wachsendes Interesse am iranischen Kino. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, meine Eltern kommen jedoch aus dem Iran. Dadurch besteht für mich eine starke persönliche Nähe zu dem Land, aber gleichzeitig habe ich viele Erfahrungen, die den Alltag dort prägen, selbst nie machen müssen. Die ausgewählten Filme erzählen deshalb die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse im Iran anhand konkreter Lebenssituationen.“
Den Auftakt macht „A Separation“ von Asghar Farhadi. Was zunächst wie die Geschichte einer Ehekrise beginnt, entwickelt sich zu einem vielschichtigen Drama über Moral und zeigt, wie persönliche Entscheidungen unweigerlich mit gesellschaftlichen Strukturen verwoben sind. Jafar Panahis „Crimson Gold“ richtet den Blick auf die sozialen Ungleichheiten innerhalb der iranischen Gesellschaft und erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen Alltag von wirtschaftlicher Unsicherheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung geprägt ist. „My Favourite Cake“ von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam erzählt mit großer Wärme und feinem Humor von Einsamkeit, Lebensfreude und der Sehnsucht nach menschlicher Nähe. Den Abschluss bildet „There Is No Evil“ von Mohammad Rasoulof, der in mehreren miteinander verbundenen Episoden untersucht, welche Auswirkungen politische Systeme auf individuelle Schicksale haben und welche Handlungsspielräume dem Einzelnen bleiben.
„Crimson Gold” © Wellspring
„Der Titel The Cost of Living beschreibt vor allem den sozialen, emotionalen und moralischen Preis, den Menschen dafür zahlen müssen, wenn selbst alltägliche Entscheidungen durch staatliche Kontrolle, wirtschaftliche Ungleichheit oder gesellschaftliche Normen eingeschränkt werden. […] Vielleicht entsteht durch die Filme auch ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Rechte und Freiheiten, die in Deutschland häufig selbstverständlich erscheinen, im Iran unter deutlich anderen Bedingungen gelebt, ausgehandelt und verteidigt werden müssen. “
Gleichzeitig möchte das Programm nicht ausschließlich Unterschiede betonen. Die Filme zeigen ebenso, wie vertraut viele ihrer Konflikte wirken: familiäre Verantwortung, Liebe, Einsamkeit, finanzielle Sorgen oder der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben sind Erfahrungen, die Menschen unabhängig von ihrem Herkunftsland verbinden. Gerade diese Verbindung aus kultureller Besonderheit und universeller Menschlichkeit macht das iranische Kino und die ausgewählten Filme im August-Programm so außergewöhnlich und eröffnet einen Zugang für das Publikum.
„My Favourite Cake” © Totem Films
Die Spielzeiten für den August 2026 bei heimkino. sind wie folgt:
05.08. „A Separation“
12.08. „Crimson Gold“
19.08. „My Favorite Cake“
26.08. „There Is No Evil“
Die Vorstellungen starten jeweils um 20 Uhr. Tickets gibt es auf der CINENOVA-Website. Weitere Infos und Gewinnspiele für Freikarten sind auf dem heimkino.-Instagram zu finden.
Mit „The Cost of Living“ lädt heimkino. dazu ein, den Iran jenseits stereotyper Bilder kennenzulernen – durch Geschichten, die berühren, herausfordern und zum Gespräch anregen. Die vier Filme eröffnen vier unterschiedliche Perspektiven auf den Alltag eines Landes und machen zugleich deutlich, wie eng persönliche Schicksale und gesellschaftliche Verhältnisse miteinander verwoben sind. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit ergeben sie ein vielschichtiges Gesamtbild, das nicht nur Einblicke in eine andere Lebensrealität ermöglicht, sondern auch universelle Fragen nach Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit aufwirft. Ein Filmmonat, der dazu einlädt, genauer hinzusehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und das Kino als Ort des gemeinsamen Nachdenkens und Austauschs zu erleben.
„There Is No Evil” © Kino Lorber