Ready or Not 2

Es gibt Filme, die brauchen keine Fortsetzung. „Ready or Not“ aus 2019 war so einer: klar umrissen, düster und geschlossen. Eine Fortsetzung kann dann eigentlich nur überflüssig sein oder sie muss etwas radikal anderes wagen. Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett entschieden sich für einen Mittelweg, der zwar spaßig, aber wenig innovativ ist: Sie nehmen das bereits bestehende Konzept und seine Struktur und machen einfach alles größer, blutiger und makaberer. Das Ergebnis ist ein Film, der sich zwischen Selbstparodie und ernst gemeintem Horror bewegt, ohne sich je ganz für eine Seite zu entscheiden.

Die Geschichte setzt unmittelbar nach den Ereignissen des ersten Teils ein. Grace (Samara Weaving) hat überlebt und wird deshalb erneut zur Zielscheibe. Diesmal wird sie nicht nur von einer Familie gejagt sondern von einem ganzen Netzwerk satanistischer Eliten, die um Macht und Einfluss konkurrieren. Gemeinsam mit ihrer Schwester Faith (Kathryn Newton) gerät sie in ein weiteres tödliches Spiel und bekommt diesmal Chance, mehr zu gewinnen als nur ihr Leben.

Elijah Wood in "Ready or Not 2" von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett

© Searchlight Pictures. All Rights Reserved.

„Ready or Not 2“ wiederholt, variiert und vergrößert – aber er überrascht kaum. Die Struktur ähnelt dem ersten Teil stark, ebenso die Figurenkonstellationen. Viele Wendungen sind vorhersehbar und selbst die vermeintlichen Überraschungen wirken eher wie Variationen bekannter Motive als echte narrative Brüche. Besonders im Mittelteil macht sich eine gewisse Formelhaftigkeit bemerkbar: Flucht, Verfolgung, kurze Verschnaufpause – und wieder von vorn.

In puncto Gewalt legt „Ready or Not 2“ deutlich nach. Die Tode sind kreativer, absurder und teilweise überzeichnet inszeniert. Der Film bewegt sich dabei oft an der Grenze zur schwarzen Komödie, wenn brutale Momente mit makabrem Humor gebrochen werden. Besonders an diesen Stellen macht der Film Spaß – etwa dann, wenn das Timing zwischen Schock und Pointe genau sitzt und die Inszenierung ihre eigene Absurdität erkennt. Doch auch hier nutzt sich der Effekt mit der Zeit ab: Die zunehmende Eskalation führt dazu, dass einzelne Höhepunkte weniger herausstechen und das Publikum eher abstumpft als überrascht wird.

Samara Weaving und Kathryn Newton als Grace und Faith  in "Ready or Not 2" von Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett

© Searchlight Pictures. All Rights Reserved.

Das klare Highlight des Films ist Samara Weaving. Ihre Grace ist wie schon im Vorgänger das schlagende Herz der Geschichte. Sie ist wütender, sarkastischer und zunehmend erschöpft von einer Welt, die ihr einfach keine Pause lässt. Kathryn Newton bringt als ihre Schwester eine neue Dynamik ins Spiel, die der Erzählung und den Charakteren zumindest einige neue Aspekte und Tiefe beisteuert. Die Chemie zwischen den beiden funktioniert und sorgt für einige der besten Momente des Films.

Am Ende bleibt „Ready or Not 2“ ein unterhaltsamer, aber letztlich unnötiger Nachfolger. Er bietet mehr von allem – mehr Blut, mehr Figuren, mehr Chaos – aber weniger von dem, was den ersten Teil besonders gemacht hat: Originalität, Spannung und ein klarer Fokus. Er funktioniert als lautes, überdrehtes Genrestück, das sein Publikum mit Tempo und Spektakel bei Laune hält, aber kaum nachwirkt. Für Fans des ersten Films dürfte er dennoch genug Reiz bieten, vor allem dank seiner Hauptdarstellerinnen. Wer jedoch auf eine echte Weiterentwicklung gehofft hat, wird eher enttäuscht zurückbleiben.

„Ready or Not 2“ startet am 9. April 2026 in den deutschen Kinos.

Filmposter "Ready or Not 2" Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett, Samara Weaving, Kathryn Newton, Elijah Wood
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Das Drama - Noch mal auf Anfang